2008, April
Beitrag von Patrik Ochsner
Schreiner-Lehrling, 2. Lehrjahr, Fachrichtung Möbel/Innenausbau

Neuer Bürokorpus für meine Chefin

Den Auftrag zur Herstellung eines neuen Bürokorpus für Frau Schnüriger erhielt ich von Martin. Nach eingehendem Studium der Pläne erstellte ich als erstes die Holzliste. Der Korpus wird furniert, deshalb benötigen die Teile ringsherum eine 4 mm Kante. Ich rechnete die Länge der Kanten in Laufmeter aus.

Anschliessend teilte ich eine Spanplatte so ein, dass es möglichst wenig Verschnitt gibt. Ich suchte im Furnierkeller nach dem gewünschten Furnier und auch nach Elsbeere Massivholz für die Kanten.


1. Arbeitsablauf
Mit Martin besprach ich den detaillierten Arbeitsablauf, so wie ich vorgehen würde:
- Kanten rüsten
- Spanplatten zuschneiden
- Kanten auf Gehrung zuschneiden und anpassen
- Kanten anleimen
- Kanten mit dem Adler abstossen
- Spanplatten mit den angeleimten Massivholzkanten mit der Breitband kalibrieren
- Furnier zuschneiden und zusammenfügen
- Furnieren
- Furnier bündig abfräsen
- Bohrungen für Gummipuffer und Griffe
- Verbindungen (Lamello)
- Alles sorgfältig verputzen
- Abdecken der Stellen, wo nachher der Leim angegeben wird
- Erstes Mal lackieren
- Schleifen
- Zweites Mal lackieren
- Vorbereiten zum Verleimen
- Korpus verleimen
- Beschlagen
- Montage


2. Vorbereitungsarbeiten
Zuerst machte ich die Kanten. Ich hobelte aus einem Massivholzladen (Elsbeere) einen rechteckigen Balken aus und schnitt 6 mm Streifen mit der TKS. Mit der Breitbandschleifmaschine kalibrierte ich die Kanten auf 4 mm.

Bei den Spanplatten, die ich schon zugeschnitten hatte, habe ich 4-Millimeter-Kanten auf Gehrung zugeschnitten und angeleimt. Da die Kanten bewusst zu breit waren, fräste ich sie mit dem „Adler“ bündig ab








Jetzt kalibrierte ich die einzelnen Platten. Da die Spanplatte 19 mm dick war, musste ich sie auf 18 mm schleifen, da ja beidseitig das Furnier drauf kam.





3. Furnieren
Dann machte ich mich ans Furnieren. Ich suchte das gewünschte Furnier aus und achtete auf mögliche Holzfehler. Zum Beispiel Äste, Risse, Verfärbungen oder Löcher. Vorher klärte ich mit Frau Schnüriger ab, wie das Furnier verlaufen soll. Nachdem alles klar war, schnitt ich das Furnier zu und setzte es zusammen.

Wichtig beim Furnieren ist, dass die Werkstücke und das Furnier staub- und fettfrei sind. Sonst hält das Furnier nicht. Und man muss immer beidseitig furnieren. Wenn das nur einseitig geschehen würde, wird das Werkstück krumm. Die andere furnierte Seite gilt als Gegenzug. Zum Ende dieses Arbeitsschrittes fräste ich den 10-Milimeter-Überstand des Furniers auf jeder Seite ab.



Jetzt machte ich die Bohrungen für die Gummipuffer und Griffe. Zugleich laminierte ich die Werkstücke zusammen und verputzte die Teile.


4. Lackieren
Nun ist das Lackieren an der Reihe. Ich lackierte die Teile ein erstes Mal. Beim ersten Mal saugt das Furnier noch recht, deshalb kann man viel Lack drauf spritzen. Anschliessend erfolgt ein Zwischenschliff, um die Unebenheiten zu eliminieren. Beim zweiten Mal Spritzen muss man vorsichtiger sein, da schnell Läufe entstehen können. Als der Lack fertig getrocknet war, fing ich an, den Korpus zu verleimen und montierte zwischendurch die Schubladen-Doppel mit den Gummipuffern und Griffen.








5. Montage
Der letzte Arbeitsschritt, die Montage. Ich schraubte das U-förmige Werkstück auf den Metallkorpus und befestigte die Schubladen-Doppel von hinten. Weil die oberste Schublade mit einem Schloss versehen war, machte ich zuerst ein Muster vom Doppel, so dass die Bohrung des Schlosses beim richtigen Doppel genau stimmte. Da es zwischen den Doppeln immer 4 mm Luft haben muss, konnte ich die überzähligen Kanten einlegen.








6. Auslieferung
Nachdem alles angeschraubt und gerichtet war, konnte ich den neuen Korpus unter den Schreibtisch von Frau Schnüriger stellen.




Patrik Ochsner