2010, August
Beitrag von Patrik Ochsner
Lehrabschlussprüfung Schreiner-Lehrling, 4. Lehrjahr, Fachrichtung Möbel/Innenausbau

Herstellung eines TV-Möbels

1. Beschreibung

Schrank: Sichtseiten, Sichttablare sowie Fronten Span roh furniert (Räuchereiche), Schubladenfronten Span roh furniert sowie TV Rahmen (Zebrano), TV-Ummantelung Deco Stab 19 PE weiss, TV-Halterung Sipo massiv.



Innenleben: Seiten sowie Deckel, Boden und Tablare Span beschichtet PE 19 weiss, Verbindung des Schranks Dübel/Minifix, Schubladen Ahorn massiv, Verbindung gedübelt verleimt, Schubladenboden Span beschichtet PE 8, TV-Rahmen demontierbar (Minifix), Tablar im mittleren Abteil eingenutet, Griffe massiver Einleimer mit V-Assschnitt und Hohlprofil, Aluminiumplatte poliert und lackiert eingelassen.



2. Die Fertigung in der Werkstatt

Ich begann mit den Schubladen. Für die Schubladenseiten, Vorderstücke sowie Hinterstücke, nahm ich Ahorn massiv. Im Betrieb hatten wir 20 mm Ahorn massiv, welche aber so krumm waren, dass ich die Dicke von 16 mm nicht erreichte. Also musste ich 50 mm dicke Ahornläden auftrennen. Dies kostete zusätzlich viel Zeit. Später fügte und hobelte ich die geschnittenen Stücke zurecht. Alle benötigten Stücke für die Schubladen:



Die Schubladenseiten nutete ich mit der liegenden Plattenfräse, da dies schneller und einfacher ist, als mit der Kehlmaschine. Jedoch die abgesetzte Nut bei den Frontstücken der englischen Schubladen musste ich mit der Oberfräse machen.



Die Schräge der Seiten schnitt ich mit der Tischkreissäge zu.


Ich dübelte die Schubladen zusammen und verleimte sie. Dazu nahm ich die Korpuszwingen, weil man dazu keine Zulage braucht. Für die breiten Schubladen musste ich leider die langen, normalen Zwingen nehmen.



Am zweiten Tag, als das Furnier geliefert wurde, begann ich mit dem Zuschneiden der rohen Spanplatten. Diese schnitt ich mit der liegenden Plattenfräse auf das Fertigmass zu.





Bevor ich mit dem Anleimen der Kanten begann, musste ich noch den Ausschnitt für den Einleimer machen. Weil es sechs Ausschnitte waren, lohnte es sich, eine Schablone zu machen.



Da ich für die Einleimer der Schubladendoppel für Zebrano kein Massivholz hatte, nahm ich als Ersatz Esche, die fast die gleiche Farbe hatte. Die Einleimer passte ich der Rundung des Ausschnitts an und leimte sie gleich ein.



Als ich die Einleimer bündig abgestossen hatte, leimte ich allen Teilen eine Kante an.



Jetzt war alles bereit zum Furnieren. Ich schnitt die einzelnen Furnierblätter zu und nähte sie mit der Furniernähmaschine zusammen.



Da der Räuchereichenfurnier sehr offenporig ist und es sicher Leimdurchschlag geben wird, wollte ich auf Nummer sicher gehen und färbte den Furnierleim ein.



Damit der Furnierleim schneller abbinden konnte, heizte ich die Presse vorher auf. Später, als ich die frisch furnierten Werkstücke aus der Furnierpresse nahm, achtete ich darauf, dass sie optimal ablüften konnten, um keine krummen Teile zu kriegen. Danach fräste ich das überschüssige Furnier bündig und verputze es grob, damit es an den Kanten nicht ausreissen kann.



In meiner Lehrzeit erstellten wir im Kurs einmal einen eigenen Schreibtisch, der keine Griffe hatte, sondern einen Ausschnitt, mit einer Hinterprofilierung. Ich entschied mich für die gleiche Art Griff. Ich schnitt die V-Ausschnitte aus und fräste mit der Oberfräse die Profilierung dran.





Mit der gleichen Schablone, die ich für den Ausschnitt des Einleimers verwendete, liess ich jetzt die Aluminiumschiene ein. Da das Aluminium nicht mehr schön war, schliff ich es mit einem 1200er-Korn, bis es glänzte. Um den Glanz zu erhalten, lackierte ich sie noch.



Damit ich das TV-Gerät in die richtige Höhe bringen und später richten kann, damit die Schattenfuge stimmt, konstruierte ich eine eigene TV-Halterung.



Hinter der Konstruktion montierte ich 3 LED-Streifen.



Erster Versuch, das TV-Gerät in den Rahmen einzupassen. Den Rahmen befestigte ich nur mit Minifix, damit ich das Gerät rausnehmen kann. Die Hinterkonstruktion ist aus einer Deco Stab Platte, um genügend Festigkeit zu erreichen, da der Bildschirm recht schwer ist.





Jetzt fehlten nur noch die Schränke innen. Die Bearbeitungen an der CNC machte mir ein Mitarbeiter. Ich entschied mich, die einzelnen Elemente auch mit Minifix zusammenzubauen.



Ich achtete auf eine perfekt verputzte Oberfläche. Denn der Lack wirkt später wie ein Vergrösserungsglas, das jeden Kratzer ersichtlich macht.



3. Die Lackierung

Den Spritzraum saugte ich vorher ab, um keinen Staubfall auf der Oberfläche zu erhalten. Ich nahm einen 2-Komponenten-DD-Lack, seidenmatt. Beim Anmachen des Lacks achtete ich darauf, dass alles abgesiebt wurde.



Da ich kein Lackierprofi bin und keinen Lauf riskieren wollte, entschied ich mich, immer eine Fläche nach der andern zu lackieren.



Auf einem Scherengestell liess ich alles trocken und machte dann den Zwischenschliff. Beim Zwischenschliff ist es sehr wichtig, dass man die erste Lackschicht nicht durchschleift, sonst hat man bei der zweiten Lackierung helle und dunkle Flecken.



Zuerst schraubte ich die Sichtseiten innen zusammen, dann die zwei äusseren Kästen, mit dem mittleren Unterbau.





Diverse Ein- und Ansichten des fertigen TV-Möbels:










Und so präsentiert sich das fixfertige TV-Möbel in meinem Zimmer:



Patrik Ochnser